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Antonije Žalica: Gelber Schnee.

17,00 

Roman. Aus dem Serbokroatischen von Astrid Philippsen. Mit einem Nachwort von Svetlana Slapsak. Persona Verlag 2001.

Sarajevo 1922: Der Wind aus der Sahara weht feinen Sand herbei, der den Schnee auf den umliegenden Bergen gelb färbt, und auch in der Stadt sieht plötzlich alles anders aus. Die Menschen wollen zunächst weiterleben wie bisher. Der Erzähler geht am Wochenende mit der multikulturellen Freundesclique zum Skilaufen und Tennisspielen. Sein Bruder, ein Bühnenregisseur, ist mit der Inszenierung von Romeo und Julia beschäftigt, und Romeos Rhythmus wird ungewollt zum Rhythmus ihres eigenen Lebens im Krieg. »Das ganze Leben wurde zurückgeführt auf vier Grundelemente (Feuer, Wasser, Erde, Luft).« Žalica beschreibt unerschrocken aufwühlend, ebenso lebensnah wie poetisch sensibel, wie sich die Bewohner in der belagerten Stadt zu behaupten versuchen.

In der Isolation der Luftschutzkeller bleibt die Einheit der Völker erhalten, ungeachtet dessen, was draußen passiert: Kroaten, Serben und Muslime teilen Liebe und Leid. »Der Nationalismus kam uns damals lächerlich vor, wir kannten ihn nur aus Witzen.« Die Schrecken des Krieges werden meist »durch die Augen der anderen« präsentiert und in leicht ironischem, ja humorvollem Erzählstil wiedergegeben. Gelber Schnee ist auch ein Buch über veränderte Wahrnehmung, denn der Engel auf der Schulter des Erzählers verleiht ihm einen siebten Sinn.

Der Autor Antonije Žalica kommt 1959 in einer Sarajevoer Theater- und Dichterfamilie zur Welt. Er studiert Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie, schreibt für Rundfunk, Fernsehen und Bühne, veröffentlicht Gedichte und Kurzgeschichten und dreht Dokumentarfilme. 1992 ist Žalica Dramaturg am Theater und Programmmanager beim Fernsehen. Seine vielversprechende Karriere wird, wie das Theater und die Fernsehstationen, vom Krieg zerstört. Er beteiligt sich an Projekten von SaGa, einer Künstlervereinigung, die mitten im Krieg ein Kulturprogramm aufrechterhält, und dreht Dokumentarfilme. 1994 gelangt er ins Amsterdamer Exil, wo er seither mit der Familie lebt und seine Film-, Theater- und Literaturarbeiten fortsetzt. Er ist Gastdozent an der Film- und Fernsehakademie Hilversum, seine Filme werden auf Festivals mit Preisen ausgezeichnet und seine literarischen Texte ins Niederländische übersetzt. Žalica betont, sein Familienhintergrund sei »österreichisch-ungarisch-tschechisch-montenegrinisch«; früher habe er Serbokroatisch geschrieben, heute »Serbisch, Kroatisch, Bosnisch — Balkan-Jiddisch eben«.
Die Originalausgabe erschien 1995 im Verlag des unabhängigen Belgrader Senders Radio B92 unter dem Titel Trag zmajeve sape: Die Spur der Drachenpranke. So hießen im Volksmund die Spuren der Granateinschläge. Nach der polnischen und niederländischen Ausgabe war dies die dritte Übersetzung, meisterhaft realisiert von Astrid Philippsen. Sie studierte Slawistik in Berlin und Belgrad, arbeitete als Lektorin für den Aufbau-Verlag und ist außerdem bekannt als freie Übersetzerin der Werke von Dragan Velikic und Slavenka Drakulic. (Paul-Celan-Preis 2000). Das kenntnisreiche Nachwort stammt von der Kulturwissenschaftlerin Svetlana Slapsak aus Belgrad, einer Kennerin der intellektuellen Szene des ehemaligen Jugoslawien und des Exils.

234 Seiten, Hardcover
ISBN 978-3-924652-29-6

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