Alban Nikolai Herbst
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Die Bücher von Alban Nikolai Herbst, unserem Gast des LeViArte-Sommerfests 2018, sind vorläufig hier präsentiert …

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Arco Verlag
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Der »Buchleser« des expressionistischen Künstlers Ernst Barlach (1870–1938) ist eine meditativ-kritische Skulptur, ganz auf ein offenes Buch in den Händen gerichtet. Das hochgehaltene Buch vor Augen gehört zur Figur, und beide gehören als Signet zum Arco Verlag. Der 2002 gegründete unabhängige Verlag hat seinen Sitz in Wuppertal und seit 2009 auch in Wien. Er gehört zu den markantesten jüngeren Verlagen einer unabhängigen deutschsprachigen Verlagsszene jenseits der großen Ketten. Arco ist organisiert in der Kurt-Wolff-Stiftung – mit dem legendären Verleger als Vorbild –, in der sich rund 80 verschiedene und oft kompromisslos eigenwillige Verlage zusammengeschlossen haben. Was Slow Food oder VdP in Sachen Genuss & Wertigkeit ins Bewusstsein rückten, dem haben sich die Kurt-Wolff-Verlage mit einem bedingungslosen Qualitätsstreben in Inhalt und Ausstattung verschrieben.

Das Arco-Logo eines widerständigen Individualisten stand 1937 für ein Versenken in Literatur, zum Trotz gegen eine Unkultur, in der Künstler und Autoren verfolgt wurden. Heute steht es für das Versenken in Bücher und für ein geradliniges, klares Verlagsprofil, das sich erfreulich wenig um den Mainstream schert. Arco denkt und druckt: Texte aus mitteleuropäischen Kulturkreisen, in Büchern zu Unrecht (beinahe) vergessener Autoren, von Erika Mann, Fritz Beer, Ludwig Winder, Ulrich Becher, James Hanley … Gepflegt wird gleichermaßen außergewöhnliche Lyrik, so Verse des von Nabokov hochgeschätzten Vladislav Chodasevič, Max Herrmann-Neißes oder des armenischen Dichter Tscharenz …Jeder Text des interkulturellen Arco-Programms ist ein literarisch-menschliches Anliegen. Ob eigenwillige Literatur aus den Böhmischen Ländern, deutsch-jüdische Exilliteratur, Übersetzungen aus Finnland oder Israel, die Orca-Kinder- und Jugendbücher oder Wissenschaftsstudien: Für einen guten Text versenken sich Verlag und Verleger, zeigen konzentrierten Einsatz. Der Kontakt zu Herausgebern, Autoren, (Über)Setzern und Herstellern ist persönlich und so freundschaftlich wie konstruktiv-kritisch, Begeisterung und die Bereitschaft, sich einzulassen auf ein Thema, flankieren Fachkompetenz und Erfahrung – um Bücher zu machen, die einfach wertvoll sind.

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Persona Verlag
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Mein Besuch der Frankfurter Buchmesse bringt eine außergewöhnliche Begegnung: mit einer ruhigen und empathisch-sympathischen Frau, die sich gerne für andere Menschen einsetzt. Im Weiteren, und sehr mit leidenschaftlicher Einsatzbereitschaft verbunden, ist sie Bücherfrau, eine hervorragende Verlegerin. Es begann mit einer großen Begeisterung fürs Lesen: sehr früh. Es ging weiter mit der Entdeckung vergessener Autoren und dem Bewusstsein einer schwierigen deutschen Vergangenheit: während Studienaufenthalten Lisette Buchholz‘ in Osteuropa und ihrer Tätigkeit für das Goethe-Institut in Finnisch-Lappland. Und damit sind wir bei der Gründung des persona Verlags: am 1.11.1983 in Mannheim.

»Vom Büchermachen hatte ich keine Ahnung. Mein Enthusiasmus war von Sachkenntnis ungetrübt, obwohl zu meinen Vorfahren zwei erfolgreiche Verleger gehören: Rudolph Zacharias Becker (1752–1822), dessen Noth- und Hilfsbüchlein für Bauersleute der größte Bucherfolg der deutschen Aufklärung und der auflagenstärkste deutsche Titel seit der Lutherbibel war, und Justus Perthes (1749–1816), der Gründer des Gothaer Verlags.«, bekennt die persona-Leiterin und publiziert gute Literatur, ohne viel Aufhebens von ihrer Arbeit zu machen. Es erscheinen Werke von Autoren aus dem deutschen und österreichischen Exil 1933–1945, Gedichtbände, Essaysammlungen, dicke und dünne Romane, deutsche und aus allen europäischen Sprachen übersetzte … Verdienstvoll ist, dass alle ungefähr vierzig Titel lieferbar gehalten werden, teils in zweiter oder gar vierter Auflage. Der Roman Manja von Anna Gmeyner ist einer der ersten und bis heute erfolgreich. Der persona-Verlag erhielt 2001 und 2012 den »Baden-württembergischen Landespreis für literarisch ambitionierte kleinere Verlage«. Ohne angestellten Mitarbeiter, umgeben von guten Freunden und befreundeten Autoren und offen für Menschen und Projekte, so arbeitet Lisette Buchholz ruhig und gut weiter. Und ich freue mich, persona-Bücher vorzustellen:
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Verlag Hermann Schmidt
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Mit glücklichen Momenten mag mich der Alltag überraschen. Ein bisschen solcher Freude kann allmorgendlich ein Blick auf den Kalender leisten … Mit meinem neuesten aus dem Verlag Hermann Schmidt bringt der Tagesbeginn eine Type – eine Schrifttype, die an 365 Tagen eine verspielte, geradlinige, schnörkelige oder provokante Form annimmt. Derlei Formen sind etwas für Hingucker, für Menschen, die dem immer selben Konsum eine Vielfalt vorziehen. In solch buntem Sinne starte ich mit einem Kalender aus dem Verlag Hermann Schmidt. Jeder Tag schaut anders aus … Sichtbar wird’s hier mit dem bloßen Niederschreiben des gerade aktuellen Tagesdatums. Diese Vielfalt im Alltag und typografische Ästhetik ist als Typodarium Kult unter Bibliomanen und ein jährliches Ritual gegen Textvergessenheit: Drucktypen –- sogenannte Fonts – von 263 Designern aus 30 Ländern und allen Feiertagen dieser Länder auf 384 Tagesblätter in 12 unterschiedlichen Farben, beidseitig bedruckt, im Format 8,5 x 12 cm.

Alltägliches ist gar nicht banal – sondern kann wunderschön wichtig sein … Auch zu dieser Überzeugung bin ich nach Lektüre von Büchern des Hermann Schmidt-Verlags gelangt. So verfolgt der Psychologe Frank Berzbach in Formbewusstein, welche Schritte wir im Leben immer wieder tun und wohin wir dabei überall treten. Und dann geht’s auch darum, wie wichtig die Schuhe dabei sind … Im Buch spricht er von Beschränkung, Ernährung, Liebe, Medien, Kleidung, Besitz, Ernährung und nimmt Gedanken aus Christentum, Buddhismus und Psychologie auf. Ich werde mir mit der Lektüre auch dessen bewusst, dass Frank Berzbachs Vernetzung der alltäglichen Dinge nicht einer der vielen Ratgebertitel ist …
Schmidt-Bücher, das sind geschmackvolle Kunstwerke, Bücher zum Anfassen aus Leinen und feinem Papier, mit gewählter Illustration und packenden Bildern. Verlagssignet ist das Aldusblatt, dem Efeu ähnlich; es steht auch dafür, dass jedes Buch ein eigenes Profil erhält. Während die Bücher in der Regel alle das außergewöhnliche Qualitätssiegel »printed in Germany with love« tragen und nachhaltig hergestellt sind, was in der oft im Ausland produzierenden Buchbranche nicht selbstverständlich ist.
Die Form bietet Raum für fundiertes Wissen und kreative Ideen, die voll von Leben sind und es reicher machen. Gedruckt alles, was kompetente und verständliche Darbietung lohnt, insbesondere in Themen wie Typographie, Werbung, Kreativem und Alltäglichem, und . Die Gebiete des Verlags lauten »Type & Typo, Kreativität, Gedanken & Denkanstöße, Fundiertes Fachwissen, Studium & Ausbildung, Schöner Schenken« und immer wieder »Neues«. Der Schwerpunkt liegt auf Sachbüchern, mit einem Faible für Grafikdesign. Und dieses ist nicht nur Thema, sondern die feine grafische Gestaltung der Bücher überhaupt Stärke …
Zum Anbeißen einfach, es sei erinnert an den Apfel und dessen verführerisches Verlagspendant. So lässt es sich auch mit einem Apfel in den Tag starten, und Kalendertage beginnen mit fast Vergessenem aus Tradition und Region. (Berlepsch/Goldrenette/Jakob Fischer …) Im Verlag hat sich das Bonmot bewährt, An apple a day keeps the doctor away: Bei der Arbeit am Kalender sei keiner im Verlag krank gewesen … Schmidts – nebenbei ausverkaufter – Apfelkalender ist pfiffig in eine kleine Sperrholzkiste gepackt; und was so spielerisch aussieht, ist mit viel Hobeln und Feilen verbunden – bei jedem Buchprojekt. Bis das Detail auf allerhöchste Ansprüche abgestimmt ist, vergeht viel Zeit: Mit dem Ertasten verschiedener Papierdicken. Mit dem Recherchieren und Diskutieren von Schrifttypen. Mit Streit um Farben und Strukturen. Mit inhaltlichem und stilistischem Lektorat. Und Voraussetzung für diese hingebungsvolle Anstrengung ist die Liebe zum Buch …
Durch sie verbunden ist das Team des Verlags, schätzenswert durch liebenswerte Bildungswut, sachgerechte und sympathische Beratung.
Der Verleger Bertram Schmidt-Friderichs, der das Druckhandwerk noch im Bleisatz lernte, wird heute international als Fachmann für Typographie geschätzt. Er ist unter anderem Vorstandsmitglied und deutscher Chairman des »Type Directors Club of NY«, Juror in Fachwettbewerben und Referent. Seine Stärke im Typographischen prägt den Verlag und auch die dortige Arbeitsteilung. Er verantwortet die Herstellung bei Schmidt, gemeinsam mit Maria Maierhofer. Sie koordiniert zudem die Zusammenarbeit mit den Lieferanten. Die rechte Hand des Verlegers ist Brigitte Raab, die sich zudem um Rechte und Lizenzen kümmert.
Karin Schmidt-Friderichs schmunzelt: »Er ist zuständig für den Einsatz des Geldes, ich dafür, dass es reinkommt …« Sie, langjährig vertraut mit der Kreativszene, verantwortet die Zufriedenheit der Kunden, anderswo Marketing genannt; sie lektoriert, moderiert Konferenzen, coacht und organisiert. Jutta Schober übernimmt Pressearbeit, assistiert ihr und vertritt sie, wenn sie auf Reisen ist. Der Handel off- und online wird vom Verlag in die Hand genommen, solche Eigenregie ist ungewöhnlich. Die Vertriebsverantwortung tragen Birgit Severin, Annemarie Opp und Lisa Bartelmeß. In Versand und Buchhaltung arbeiten Harry Klee, Martina Lüthke und Esme Üstün. Praktikanten werden immer wieder dafür geschätzt, dass sie andere Meinungen und Elan einbringen.
Für ihr Engagement und ihren Einsatz wurden Karin und Bertram Schmidt-Friderichs im Dezember 2014 mit dem Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet – die höchste Ehrung des Landes. Preise und Auszeichnungen sind auch den ›Kindern‹ des Verlags hold, wenngleich ihre ›Eltern‹ die Absichtslosigkeit erklären: »Wenn das [die Sorgfalt] dann aber auch den Juroren auf- und gefällt, freuen wir uns über diese Nebenwirkungen [Buchpreise]« … Wie sie jedenfalls die Arbeit des Verlags angemessen würdigen: Den »Award für typographic Excellence« des »Type Directors Club of New York«, der gerade für Vom Blatt zum Blättern und Futura. Die Schrift vergeben wurde, den »European Design Award, Gregor international calendar award« und »ADC Art Directors Club für Deutschland« (für den CMYK Color Swatch Calendar 2016), den »Joseph Binder Award Design Austria« (für Nea Machina. Die Kreativmaschine. Next Edition Good Design is a Tough Job); den »Red Dot Award«, den »Designpreis der Bundesrepublik Deutschland«, den »Innovationspreis der deutschen Druckindustrie«, Preise der »Stiftung Buchkunst« und und und …
Träger dieses Erfolgs seien, fachlich wie menschlich, die Autoren. Einige von ihnen sind bekannte Fachautoren wie Erik Spiekermann (Typograph, Gestalter, Autor), Stefan Sagmeister (Graphikdesigner und Typograph) und Kirsten Dietz und Prof. Jochen Rädeker (Gründer und Geschäftsführer der Werbeagentur »Strichpunkt«, Mitglied in Jurys, Preisträgerin, Autorin). Andere wurden medial erst durch den Verlag bekannt, so Frank Berzbach (Formbewusstsein).
Seit 1992 existiert der Verlag, dessen Wurzeln als Verlag und Druckerei bis ins Jahr 1945 zurückreichen, da der Jurist Hanns Krach den Verlag für juristische Fachpublikationen ins Leben rief. Die heutige Bekanntheit des Verlags Hermann Schmidt überquert deutsche wie europäische Grenzen, bestätigt sich vermehrt auch in fremdsprachigen Lizenzausgaben. Verlagssitz ist währenddessen das rheinland-pfälzische Mainz, die Stadt einer Geschichte, die seit den 50-er Jahren des 15. Jahrhunderts mit dem Buchdruck Johannes Gutenbergs verbunden ist. Im 21. Jahrhundert ist Mainz wirtschaftlich und kulturell kraftvolle moderne Stadt. Und im offenen Raum zwischen alt und neu wird im Mainzer Haus Hermann Schmidt gedruckt: um die 20 Titel im Jahr aus Typographie, Werbung und Grafikdesign. Neu am Druckwerk ist das Was und Wie; als eine nunmehr 24-jährige Tradition, die heute Wichtigstes zu sagen hat – mögen Sie reinschauen, hinhören, selber sprechen? Nur zu …Zu den Büchern

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