Helmut Siesser
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Stuttgart und Algeciras: der Blick im Blick des Künstlers Helmut Siesser. Um diese Stadtlandschaften herum und aus ihnen heraus entstehen Bilder in Öl- und Gouachetechnik. Dem Leben und dem Licht verbunden, der Stimmung eines Moments und dem Gefühl für seine Verlängerung, sind die Gemälde, auch, wo sie einmal sehr gegenständlich sind, weit mehr denn Landschaftsmalerei. Sie gehen heraus aus der Enge einer trivialen Wahrnehmung, ohne je über Konkretes hinweg zu gehen.

Helmut Siesser, geboren 1926 in Stuttgart, profitiert von einer soliden wie inspirierenden künstlerischen Ausbildung, studierte bei Gerhard Gollwitzer (1906 – 1973).

Bedeutend ist auch sein zweiter Lehrmeister Willi Baumeister, der aufs Engste mit der Moderne zu verbinden ist: 1913 nahm er am Ersten Deutschen Herbstsalon in der Berliner Galerie Der Sturm teil, war Zeitgenosse und Begleiter von z. B. Franz Marc, Paul Klee, Oskar Kokoschka, Adolf Loos, Paul Klee … Er lehrte an der Stuttgarter Kunstakademie, prägte Künstler wie Klaus Bendixen, Antonio Máro oder Luise Richter.

Hochschullehrer hätte Helmut auch werden sollen…

…doch er wollte nicht. Er zog ein freies Leben im Süden vor, mit seiner Frau Dojo, Rundfunkredakteurin und Schauspielerin. Gottlob blieben sie unbehelligt vom Franco-Regime, dessen Kriterien gar nicht ihre waren. Es war ein gemütliches Künstlerleben in eigenem Rhythmus, mit günstigen Literfässern Tinto und Bar-Tapas für Helmut, wenn er gegen Mittag frühstückte, während seine Frau die Arbeit zuhause begann und den Kamin von der Asche der letztnächtlichen Diskurse in meist großer Runde befreite.

Was hat er von seinen akademischen Vorbildern? Ich habe meinen Blick begonnen, ohne ihre Namen auch nur zu kennen, und seine Bilder gelesen, die das sprechen, was ich zu Gollwitzer nachgelesen habe, zu einer neuen, unbedingten Tiefenvernetzung von Leben und Kunst.

Helmut Siesser war 1944 zum Wehrdienst eingezogen und an der französischen Front verwundet worden; die folgenden zwei Jahre Lazarettaufenthalt führten ihn hin zu seiner malerischen Begabung, danach begann er die Ausbildung: zunächst auf der Freien Kunstschule (Fähnle, Müller), nebenbei assistierend am Würtembergischen Staatstheater, (1951, bei den Bühnenmalern Fritsche, Koniarsky und Richter), bevor er auf seine Lehrmeister der Stuttgarter Kunstakademie traf. Studienreisen nach Europa und Amerika schärften das Bewusstsein und den eigenen Stil, ab 1960 weitergemalt im Atelier in Stuttgart und in Algeciras, an Europas Grenze. Der Maler hatte Aufträge, und er wurde ausgestellt, so in der London Madden Gallery oder der New York Rosenberg Gallery. Seine Bilder leben in unserem Blick, unmittelbar, und erinnern, wie er an seinem Todestag, den 03.02.1995 im spanischen im spanischen Getares einfach nur den Frühstückstisch hatte decken wollen, um dann auf dem Sofa einzuschlafen, im Atelier nebenan begonnene Tableaus in wilden Farben.

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Wir freuen uns über Interesse an dem Künstler Helmut Siesser, können seine Bilder aber nur in Ausnahmefällen zum Verkauf anbieten.

Bei Interesse kontaktieren Sie uns bitte, unter der Telefonnummer 0049 / (0) 2625 9581107 oder schreiben Sie eine Nachricht an: kontakt@leviarte.de


Heike Thurm
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»Ich denke nicht.« Worte einer schlanken und jungen, doch resolut und lebenserfahren wirkenden Frau …- »Wenn ich male, denke ich nicht. Sonst denke ich ziemlich viel nach.« »Und ich weiß nicht, ob es Kunst ist; es interessiert mich auch nicht.« Rote Frauengestalten, bunte Tierkörper, ineinanderfließende, sich überlappend stoßende Formen, Erdtöne, Grelles, Farben, schnelle Farben, Wasserschemen, …

… Das Malen ist Nachtarbeit, Heikes Tage sind ausgefüllt: Immer schon arbeitete die autodidaktische Malerin, teils ehrenamtlich, in sozialen Berufen. Heike Thurm, die vor ungefähr 50 Jahren geboren wurde und ihre Kindheit auf einem großen Hof verlebte, ist zudem eine große Tierliebhaberin. Und sie hört nicht nur Wuschelhund Eddy mit mit sympathischer Offenheit zu: Mit Bestimmtheit will sie sich gerne auf jeden Mitmenschen einlassen, ihm an jeder Grenze helfen. Lässt sich so viel gutes Gefühl mit der oft grauschwarzen Wirklichkeit vereinbaren?Vielleicht liegt etwas von der Antwort in ihren Bildern. Sie künden auf ihre Art von Freude, Verwirrung, Zweifel, Melancholie, Feuer, Wasser, Gegensätzen, Farben aller Möglichkeiten von Leben in Verbindung von Mensch und Kosmos. Vielleicht strömen sie hier hinein, die Zweifel und Tagesängste, und vielleicht kommen sie aus diesem Kosmos, die Energien, die Heike Thurm ihren Mitmenschen so entgegenstrahlen lassen. Ihre Bilder erlauben die Teilhabe an höchst subjektiver und heimlicher Innenwelt, ziehen den Betrachter mit einer eigenen Sicht ins Bild.

Bei Interesse kontaktieren Sie uns bitte, unter der Telefonnummer 0049 / (0) 2625 9581107 oder schreiben Sie eine Nachricht an: kontakt@leviarte.de

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Claus Rabba
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Der Künstler Claus Rabba hat sich schon immer für Lebendiges interessiert, das sich malen lässt: Wölfe, Pferde, Menschen, weibliche Akte, Dachse, Hunde, Vögel, … Ihn fasziniert und interessiert unsere Umwelt, die Pflanzen- und Tierwelt, das Ineinander von Wasser, Sand und Luft, Licht und Form, Schatten und Farbe. Momente des Sehens und Erlebens geben ihm Anlass, Zeichenstift und Pinsel in die Hand zu nehmen und diesen einen Ausdruck festzuhalten, weiterzugeben. Mitteilen wollen seine Bilder, die Tierporträts zeigen ornithologisch oder biologisch genau Federn, Krallen, Tasthaare, Augen … Damit wird die Natur ernstgenommen und geachtet und dieser Blick führt sich fort auf uns als Betrachter. Diese Lebewesen schauen uns an; in ihrer künstlerischen Darstellung sind sie auch Gattung, Art und Teil eines Ganzen, wie oft in naturalistischer und realistischer Malerei, aber auch Charakterköpfe, Einzelwesen, in deren ermalter Lebendigkeit ein Blickwechsel möglich wird, eine Bewusstheit entsteht.

In den individuellsten Porträts, den in Auftrag gegebenen Tier- und Menschenporträts, ist der Bezug zur Wirklichkeit spannungsvoll. Claus Rabba nimmt dafür ein Photo zur Grundlage, oft will er Mensch und Tier auch persönlich kennen. Was wird daraus? Ein Blick auf die Bilder: Das hier ist mein Pferd, ein Schimmel, lebenswirklich und gemalt. »Meist habe ich ein gutes Gespür für das Individuelle, selbst, wenn »nur« eine Kohlezeichnung beauftragt ist; ich erkenne auch auf den Photos das Typische des Tieres, seinen Charakter – und kann das malerisch umsetzen.« Im nächsten Rahmen ein felliger Haarteppich, spitze Ohren, markante braune Augen und Tasthaare – ein genaues Bildnis eines Wolfes! Das erinnert mich ein wenig an einen Spitz, zeigt tatsächlich einen Grauwolf, und der traumschön weiße auf dem anderen kleinen Bild einen kanadischen Polarwolf! Woher er das weiß? Beobachten, versuchen, beobachten, versuchen, beobachten und noch mal versuchen. Viele Stunden, Tage in der Natur oder auch im Wildpark, viel Lebenszeit und –sinn.
Claus Rabba, am 10.2.1966 in Helmstedt geboren, ist ein versierter Beobachter. Gefühlvoll intensives Hinschauen ist Seines, mit dem Blick auf Tier- und Pflanzenwelt. Ein nicht akademischer Zugang nach der Hochschulreife öffnete die künstlerische Entwicklung. Zunächst illustrierte er als junger freiberuflicher Künstler, wunderschön und liebevoll, Kinderbücher und Kalender. An erste Besuche der Frankfurter Buchmesse erinnert er sich: »Ich war völlig unprofessionell, bin mit losem Material angekommen – aber die Verlage waren begeistert!« Sie sind es heute noch, zudem private Auftraggeber, Galerien, Museen, Nationalparkverwaltungen, Naturschutzverbände. Im Naturschutz hat er sich auch eine Zeitlang ehrenamtlich engagiert, Zeichen seines insgesamt nachhaltigen Denkens. Der Künstler kooperiert eng mit Naturschutzverbänden, für die viele der Vogelbilder entstanden sind. Im Herbst 2015 hat er im Wattenmeerbesucherzentrum in Wilhelmshaven ein großformatiges Triptychon mit einer Wattlandschaft samt Vogelschwarm ausgestellt, außerdem auf mehreren Gemälden weiße Vögel in unterschiedlichen Lichtsituationen, die auf dem Gefieder die Farbe weiß in vielen verschiedenen Nuancen reflektieren. Diese Themenvariation ist ein Beispiel für künstlerischen Reichtum, den er in unserer Lebenswelt sieht und malerisch aufgreift. Claus Rabba ist ein anerkannter naturalistischer Maler: Mehrfach wurden seine Gemälde im Rahmen der Wild in de Natuur (1997–2012) im Kunsthuis van het Oosten in Enschede (NL) sowie auf der Wildlife and Raptor Art Exhibition (1998, 1999, 2000 in Offchurch; 2001, 2002, 2003 in Newport) in England ausgestellt. Zudem entwickelt Rabba ein Profil als Vermittler, ist Dozent an freien Kunstschulen und begeisterter Gestalter von Seminaren. Und 2002 präsentierte er seine Arbeit als Artist in Residence im Museum Nature in Art – dem ersten und bislang einzigen europäischen Museum für Tiermalerei in der Welt bei Gloucester. Seit 2006 ist sein Name verzeichnet im Lexikon »Dictionary of Bird and Wildlife Painters«. Ach ja, mitunter geht er persönlich ans Telephon, ist sympathischer Gesprächspartner und kreativer Mitdenker. Der Telephonapparat steht in seiner Vareler Wohnung, in einem Ort an der norddeutschen Küste, der für den Künstler viel Rohstoff bietet: Wildvögel in faszinierender Vielfalt, Meer und Himmel, Licht und Wasser in Bewegung und Veränderung. Zeit für Farbe, Papier, Leinwand…Bei Interesse kontaktieren Sie uns bitte, unter der Telefonnummer 0049 / (0) 2625 9581107 oder schreiben Sie eine Nachricht an: kontakt@leviarte.de

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Vera Hilger
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Vera Hilger

Vor mir: eine Leinwand, darauf Farben und Formen. Gegenstände sehe ich nicht; und doch ist diese Leinwand präsent – das Bild lebt. Ich denke an eine Landschaft, erinnere impressionistische Bilder, suche Kunstzitate; auf unbestimmte Weise sind hier viel Tiefe und Gefühl. Dort erkenne ich Lichtflecke? »Ja, möglich …« Neben der Leinwand steht die Künstlerin mit kritischem Blick aufs eigene Schaffen. Vera Hilger ist eine zierliche, zurückhaltende und doch energiegeladene Frau mit wachen Augen. Geboren wurde die junge Künstlerin 1971 im Eifeldorf Schleiden. Sie ist naturbezogen aufgewachsen, und in ihrem Werk lässt sich den Elementen nachspüren, Wasser, Nebel, Dämmerung und den künstlerischen Lebensthemen Luft und Licht.

In der Zeit des Kunststudiums in Maastricht (1993–1997) ist Vera Hilger fasziniert von Rembrandt und William Turner (1775–1851).»Licht war zunächst mein Thema, und Luft ins Bild bringen«, erklärt sie mir. Das Bild vor unsern Augen zitiert eine Landschaft, Nebel, vermittelt mir aber mehr als den Eindruck einer augenblicklichen Stimmung, weist auf ein Gefühl, eine Atmosphäre, weit über mich hinaus. Zunächst werden Stadtlandschaften zu Vera Hilgers Bildthema, wichtig ist ihr immer die Arbeitsumgebung mit ihren Schwankungen. Ihre Arbeiten sind stets nonfigurativ und titellos, benannt werden die Bildergruppen nach ihren Themenkreisen und Arbeitsepochen. Die Farbigkeit kann als diffus, neblig und offen empfunden werden, vor allem in den älteren Arbeiten der Serien Spaziergang, Sfumato und Schimmer. Das Thema Luft führt zum »Schimmer der Materie«: »Schimmern ist Licht, das auf etwas fällt. Es kann Landschaft sein, die schimmert, es kann auch Luft sein, die vibriert.« Seit 1995 veröffentlicht die heute in Aachen lebende Künstlerin ihre Arbeiten. Preise und Ausstellungen flankieren Vera Hilgers Weg, exemplarisch zu nennen sind die Ausstellung im Museum IKOB in Eupen anlässlich des Kunstpreises 2011, Sfumato im Raum für Kunst in Aachen 2006 oder das Stipendium der Starke-Stiftung 2007.

Worin besteht diese individuelle Handschrift? Vielleicht in ihrer Maltechnik, die eine Präsenz des Bildes als Form und Farbe leistet, Farbe wird selbst zur Form, und behält zugleich ihre materielle Qualität, ihre »Stofflichkeit«. Die Künstlerin arbeitet mit Ei-Tempera, in vielen Schichten und bewusst langsam, »dass, was zuerst gesagt wird, immer wieder relativiert wird; mit den Lagen, die darüber liegen. Ich male oft die Farbe wieder weg oder zurück. […] dieses immer wieder Aufheben, Zerstören und wieder Draufgehen […]« Sie malt und übermalt, spricht von »Prozess« und »reagieren«: »Ich versuche, das Material dazu zu bringen, etwas zu tun, was es von selber kann. Durch eine Lasur zum Beispiel oder wenn ich das Bild abwasche oder wenn ich die Farbe auf eine bestimmte Art auftrage, können Wirkungen entstehen, die aus dem Material selbst kommen und mir einen Hinweis geben, wie ich weitergehen kann.«

»Jedes Material hat seine Sprache.« Literarisch interessiert, werden auch ihre Werke oft mit Sprache in Verbindung gebracht, von einer speziellen »Syntax« Veras gesprochen, die stets komplex sei, nie dogmatisch, keine These, keine Phrase. Auf ihre Bilder mag sich das Gegenüber wie auf literarische Texte einlassen, Strukturen und Ebenen dechiffrieren.Künstlerisch weiterführend und bei allen Möglichkeiten einheitlich, sinnlich, elementar.

Vera Hilgers Bilder funktionieren »assoziativ«, indem sie den Betrachter an eigene Erfahrungen erinnern, die sich auf der Leinwand neu verknüpfen, Menschliches ansprechen. Sie meint: »Ich glaube, dass ein Bild auch die Erinnerung anstoßen muss, auch jedes abstrakte Bild muss den Betrachter an etwas erinnern, was er schon mal erfahren hat, sonst ist es tot […]«.

Diese Bilder von Vera Hilger sind im Besitz von LeViArte. Bei Interesse kontaktieren Sie uns bitte, unter der Telefonnummer 0049 / (0) 2625 9581107 oder schreiben Sie eine Nachricht an: kontakt@leviarte.de

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Gerlinde Zantis
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Gerlinde Zantis
(Fotograf: Michael Dohle)

 

Ein Mädchen hockt auf dem Boden. Sie schaut mich nicht an, schaut hin. Unter ihren Füßen ist trockene Erde, der Mond scheint auf einzelne Bäume, Kiefern, Lärchen, Gruppen von ihnen, Wege, die auf nichts als Licht und Schatten zuführen.

Wie alle [dichterischen] Erfindungen beruht auch meine darauf, das Banale, das Selbstverständliche und deshalb auch das Unauffällige zu zeigen. Ich nehme die Sachen aus einer sehr nahen Perspektive wahr. Diese erlaubt mir, auf die gewohnte Distanz zur Dingwelt zu verzichten.

[Debora Vogel: Die literarische Montage, Eine Einführung. In: Akazien blühen. Montagen*. In: Debora Vogel: Die Geometrie des Verzichts. Gedichte, Montagen, Essays, Briefe. Deutsche Erstausgabe. Aus dem Jiddischen und Polnischen übersetzt und hrsg. von Anna Maja Misiak. Wuppertal: Arco-Verlag 2016, S. 433.]

Eine Frau hockt im Gras, auf der Erde, mit ihrem Skizzenblock. Sie ist konzentriert diese Nacht, will zeichnen, wollte es schon immer. Am nächsten Morgen zeichnet sie, in den nächsten Monaten arbeitet sie. Einmal hat sie sechs Wochen fast pausenlos gearbeitet, üblicherweise nimmt sie die Zeichenstifte über längere Zeiträume wieder und wieder in die Hand. Genauigkeit und Begeisterung fürs Werk sind ihr Antrieb, ein intensives Einlassen jenseits fester Arbeitszeiten. Die französische Landschaft lässt sich schon nach Tagen erahnen, atmet eine eindringliche Wirklichkeit, verblüffend detailgetreu und: die Farbe ist weg.

Es gibt auch keinen Widerspruch zwischen dem Willen nach Differenzierung der Bedingungen und Formen des Lebens und der Erkenntnis, dass Dinge existieren, die immer wiederkehren, und was sich verändert, ist nur ihre Umrahmung.

Eine Voraussetzung für das richtige Verständnis der Statik ist die Kenntnis der Dynamik: Erst dann begreift man das Wunder und die Fruchtbarkeit vom Gleichgewicht, von Zahl und Maß, von der organisierten Eintönigkeit im Pathos der Farbe Grau.

[Debora Vogel: Noch einmal über die Statik. Aus zitierter Ausgabe, S. 423.]

Gerlinde Zantis, geboren 1963, ist eine quirlige, lebhafte Frau; sie steht in ihrem kleinen Aachener Atelier vor mir und bietet fröhlich einen selbstgebrühten Espresso an. Gerlinde Zantis darf selbstbewusst sein: Nach FH-Studium erhielt sie Preise und Stipendien (so z. B. der Förderpreis des Rheinischen Kunstvereins oder das Stipendium des Heinrich-Böll-Cottage in Achill Island, Irland), stellte auch international aus, u. a. 2005 und 2012 in der Wyer Gallery, London, national beispielsweise im Ludwig-Forum in Aachen 2000, Künstler in Aachen heute, 2011, beteiligte sich von 1994–2009 jährlich an der Großen Kunstausstellung München, Haus der Kunst, und ist seit 2000 Mitglied der Münchner Sezession. Gemeinsam mit dem befreundeten Photographen Michael Dohle gab es bereits viele erfolgreiche Ausstellungen (so Out of Home, 2011, oder Melancholie mit Michael Dohle und Viorel Chirea, Galerie 45, Aachen 2010). Beide sind leicht irritiert ob der Versuche, Photo und Bild auseinanderzuhalten; sind sie doch beide eigenständige Künstler … Eigenwillig freilich ist Gerlinde Zantis Handschrift, die naturalistisch wirkt und sich doch nicht mit künstlerischem Naturalismus fassen lässt. Ja, eine Erweiterung, eine andere Sicht, das Herausziehen der Farbe. »So viel Farbe brauche ich gar nicht«, sie öffnet Ihre Schubladen mit ihrem ständigen Bestand: graue, dunkle Kreiden. Aber auch helle Töne. Die allesamt nach Grautönen von hell bis dunkel wirken, auf dem Papier auch grünlich, bläulich, rötlich schimmern. Unbenutzt sind die farbigen in sattem Rot, Blau, Gelb, irgendwann angeschafft, zu Schulungszwecken … An der Volkshochschule gibt Gerlinde Zantis ihr Können weiter, »sehr gerne« und bereits lange Jahre. Über Konkretes, ihre Technik, wohin und wie sie Themen umtreiben, das erzählt sie auch fürs eigene Schaffen. Doch obwohl sie ja kunstwissenschaftliches Wissen hat, lehnt sie, vehement und selbstbewusst, ab, eigene Arbeit zu analysieren und zu interpretieren: »Das überlasse ich den Kunsthistorikern.« Was denn? »Ich wollte immer nur zeichnen.« Sie ist in ihren Aachener Studienjahren (1983–1989) in Prof. Günther Knipp auf einen Mentor getroffen, der das zuließ und förderte, während der gewählte Studiengang mit »Grafik und Design« bezeichnet war …

Um uns herum stehen nicht nur Ihre Zeichnungen, sondern auch einige Rotweinkartons: Retouren ihrer Frankreichreisen, Rasteau und würzig-erdige Languedocweine. Frankreich und seine Regionen, seine Landschaften sind nun einmal Gerlinde Zantis’ künstlerisches Lebensthema. Reisen sind notwendige Anlässe für ihre Bilder, oft künstlergemeinschaftliche Arbeitsfahrten mit dem Skizzenbuch als wichtigsten Handapparat. Orte sind Dörfer, Landschaften. Die Künstlerin hat privat nie über ein Landleben nachgedacht, bewegt sich selbstverständlich im Stadtleben, zurzeit zudem in einem mit ihrem Mann gemeinsamen Pendlerdasein zwischen Friedrichshafen und der Stadt Aachen, der Sie besonders verbunden ist.

Gerlinde arbeitet tagsüber, diszipliniert, beharrlich. Den Arbeiten kann man es aber nachspüren, dass sie allzu oft schon in den Nächten hinausgezogen ist, fasziniert von den Ansichten, die Mondlicht darlegt.

Diese Distanz ist mit zahlreichen Interpretationen gefüllt, die so stark an den Dingen haften, dass sie aus unserer Sicht damit identisch sind und dafür gehalten werden. Dank der nahen Perspektive kann man über Klischees hinausdenken, die zu einer bestimmten Zeit mit den Dingen verwachsen sind. Eine Sache kann dann als kontextlos, interpretationsfrei und etikettenlos betrachtet werden oder auch als von ihrem bisherigen Etikett befreit.

[Debora Vogel: Die literarische Montage, S. 433. Aus zitierter Ausgabe].

Ach ja, dann sagt Gerlinde Zantis doch etwas über Ihr Schaffen, sie habe über ihre Arbeit »nur einen Satz geschrieben«:

Es ist die Dämmerung, das Zwielicht, das die gewohnten Farben des Tages aufhebt und alle Situationen allmählich in hell und dunkel scheidet, sowie das Licht des aufziehenden Mondes, dem ich mit Farbstift, Pastellkreide oder Bleistift nachspüre und notiere, was dann noch bleibt.

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Michael Dohle
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»Starkes Gefühl von Gegenwart«, notierte einmal ein Schriftsteller in sein Tagebuch. Jetzt stehe ich vor einer großformatigen Photographie, sehe einen verlassenen Saal, der mir keine Ruhe lässt, in seinen grauen Tönen, mit seinen Fenstern und Fluchtlinien. Gegenwärtig sind dieses Werk, weitere Photographien und ihr Urheber; der Raum, im dem ich in diesem Moment stehe, ist das Hergenrather Atelier des Photographen Michael Dohle.

Jede Photographie hat mich als Bezugspunkt, und eben dadurch bringt sie mich zum Staunen, daß sie die fundamentalen Fragen an mich richtet: warum lebe ich hier und jetzt? Zwar setzt die PHOTOGRAPHIE, mehr als jede andere Kunst, eine unmittelbare Präsenz in die Welt, eine Ko-Präsenz […] auch metaphysischer Natur. (Roland Barthes: Die helle Kammer, S. 95)

Gegenwart…

…was meint das wirklich? Wirklichkeit oder Alltag, die monotonen Wege, Häuser und Landschaften, in denen wir leben? Die so vielen Bilder, die uns jeden Tag begleiten, wecken allenfalls Träume oder Müdigkeit, haben nicht diese eindringliche Präsenz. Was sehe ich auf dieser Photographie? Eine Landschaft, einen Raum, Schafe, einen Busch – Bekanntes doch? Nein, mein Blick stößt sich: hier an Autoreifen auf einer Miete, die zur Landschaft gehören; dort an einem Baumstamm, der schwarz und markant hinein die Ebene ragt, drohend, beklemmend, rätselhaft auch. Er liegt auf einem versteppten Hochplateau – ein menschenfreier Ort, verwaist, verwunschen, still oder verlassen? Rechts neben dem Baumstamm ragt ein alter Dieselmotor ins Bild, wessen und welches Zeichen? Aha, auf den Causses war das, in Frankreich. In seinen Regionen verbringt Michael Dohle seit 2003 gemeinsam mit Gerlinde Zantis, Bernd Radtke und anderen Kunstbesessenen jährlich Arbeitsaufenthalte. Viele seiner Themen und Motive sind in den südfranzösischen Landschaften zu verorten. Für einige Aufnahmen hat er stundenlang konzentriert die richtige Perspektive gesucht, oft aber rasch auf den Auslöser gedrückt, weil er seinen Ausschnitt gefunden hat. Korrekturen am Bildschirm bleiben minimal wie vormals in der Dunkelkammer. Seine bewundernswerte Treffsicherheit ist erklärbar mit einem intensiven Einlassen auf Bild und Welt. Er hat viele Museen besucht und Gemälde studiert, sich dann der Photographie gewidmet. Deren Studium ist für ihn auch verbunden mit den Werken des großen Meisters der Photographie, Ansel Adams – und mit intensivem Erleben: Gewappnet mit Kamera, Zahnbürste, einigen Feigen Proviant, durchwandert er – »es war ein elendes Geklettere« – drei Tage die Caldera de Taburiente auf der spanischen Insel La Palma ins Zentrum des Kraters, schoss dort sein Photo. Das war nebenbei am Todestag von Ansel Adams.

Ein anderer wichtiger Lehrmeister ist Robert Frank, der das Verständnis von »demokratischer Photographie« prägte. Seine Photographien rühren Michael Dohle besonders an, obwohl sie ›nur‹ undramatische Landschaften zeigen – später erst bewusst als Ort des tödlichen Unfalls von Franks Tochter. Begeistert ist Michael Dohle von den Photographien und dem Menschen, der ihm beim Besuch seiner Ausstellung im Folkwang Museum auffällt, ein eigenwilliger, stiller Mensch.

Mein Blick fängt sich erneut in dem cevennischen Hochplateau, dessen Perspektive für mich Auslöser einer Empfindung von Unsicherheit ist. Einen Vexierpunkt, ein Abenteuer, bieten mir alle Werke von Michael Dohle – Roland Barthes hat gesprochen von »diesen empfindlichen Stellen; und genaugenommen sind diese Male, diese Verletzungen Punkte. Dies zweite Element, welches das studium aus dem Gleichgewicht bringt, möchte ich daher punctum nennen; denn punctum, das meint auch: Stich, kleines Loch, kleiner Fleck, kleiner Schnitt – und: Wurf der Würfel. Das punctum einer Photographie, das ist jenes Zufällige an ihr, das mich besticht (mich aber auch verwundet, trifft.)«

Offenkundiger als das punctum im Bild, gleichsam allgemeiner, ist das kulturelle Thema, das studium. Leicht wäre dieses Thema fassbar bei Symbolen, Sensationen und Spektakulären; doch Photographieren als Kunst heißt Bedeutung verleihen, nicht Bemerkenswertes herausheben. Und welche Motive wählt Michael Dohle? Alltäglich unspektakuläre – Häuser, Landschaften, oft verlassen, schwer bewohnbar. Ihre Bedeutung erschließt sich erst über vage Momente, die keine empathische Faszination sind, und doch mehr als Interesse, ein unbedingtes Aufmerken. Die Linien, die von dem Baumstamm beschrieben werden, die Fluchtlinien im Raum, die Formen der Landschaft/Horizont-Abgrenzung, sie ziehen meine Aufmerksamkeit auf diese Landschaft, nicht in sie. Die Formen bleiben kantig. Die Magie liegt in der Geometrie von Punkten oder Formen, wird zu einer neuen künstlerischen Wirklichkeit.

In keiner anderen Kunst ist in dieser Form die photographische Nähe zum Referenten gegeben, die notwendig reale Sache, die vor dem Objekt platziert war, ist von elementarer Bedeutung und schafft einen anderen Zusammenhang denn in der Malerei; die Referenz ist das Grundprinzip der Photographie. Diese ihr eigene Bestimmung von Nähe und Ferne bestimmt den Reiz der Kunstform, versperrt mir eine unbewusste und eindimensionale Perspektive auf die Lebenswirklichkeit. Und das mit großem Respekt vor den Dingen. Das photographische Sehen führt, so Roland Barthes, nicht zu Vereinigung mit Natur, sondern zu Entfremdung. Menschenauge und Kameraauge sprechen verschiedene Sprachen. Diese Kunst setzt die Reizschwelle der Wahrnehmung nicht herauf – wie Getränkehersteller die Zuckerdosis – sondern herab.

Michael Dohle, geboren 1942, wurde erst spät zum Photographen. Immer wach und stets gesellschaftlich engagiert, setzte sich der junge Intellektuelle mit seiner Familiengeschichte auseinander und stand in der Zeit der 68-er Jahre. Er studierte Architektur und lehrte an der Hochschule, arbeitete, photographierte nebenher, gründete eine Familie und behielt sich einen freien Blick. Seit 1982 ist er kunstschaffend. Die berufliche Doppelbelastung war hoch, der Druck führte zu Hörstürzen. Michael Dohle entschied sich: für die Kunst. Nicht mehr nur in der freien Zeit, sondern ausführlich und konzentriert. Er wird anerkannt, erhält 2004 den Kunstpreis des Freundeskreises Neues Kunsthaus Ahrenshoop. Die Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus bedeutet ihm viel, die über die profilierte Kulturstätte organisierten Projektreisen bis in die norwegischen Lofoten oder nach Polen und Russland prägen zehn Lebensjahre, von 1996 bis 2006. Zahlreiche Projekte und Ausstellungen organisiert Michael Dohle, 2013–2015 arbeitet er mit am Projekt Der Weg nach Aachen, initiiert von dem niederländischen Filmer Jo Dautzenberg, dem Musiker Heribert Leuchter und Ensemble, das im Ludwig-Forum Aachen und anderen Orten der Region präsentiert wird. Zu den aktuellen Produktionen des Chaostheaters Aachen (Regie: Reza Jafari) leistet er photographische Beiträge. 2015 stellt er seine Arbeiten gemeinsam mit Gerlinde Zantis im Forum für Kunst und Kultur in Herzogenrath aus. Auch an den beiden Aachener Museen betreut er Workshops und seit 2004 eine Kleine Sommerakademie an wechselnden Orten in D und B. Zudem ist er Mitglied der Münchener Secession, für die er 2011 gemeinsam mit Gerlinde Zantis die Ausstellung out of home der OBB München realisiert.

Michael Dohle hat sich eingelesen in Grundlagen und Feinheiten der Photographie, und er liest weiter. Texte finden immer wieder Eingang in seine Arbeiten. Aus der Lektüre von Herta Müller und Oskar Pastior entsteht 2008 im Neuem Kunsthaus Ahrenshoop der Kubus zu Oskar Pastior und das Möbiusband, Objekt zur Frankfurter Buchmesse. 2010 leistet er Bildbeiträge für das einschlägige Journal für Philosophie, der blaue reiter. Weiter aus der Reihe herauszuheben sind: Nun tanzen die Ratten im Geklirr (2010) im Forum für Kunst und Kultur Herzogenrath, in Anlehnung an Else Lasker-Schülers Das blaue Klavier mit einer Wortperformance von Jaap Blonk (NL), sowie 2010 die Ausstellung atemschaukel aufheizkörper – Fotografische Objekte und literarische Fundstücke zu Herta Müller und Oskar Pastior, im KuKuK Aachen(D)/Eupen(B). »Gedacht hatte ich an den Beginn eines Romans von Gabriel García Márquez …« Das ist kein ungewöhnlicher Anmarsch, wenn Michael Dohle ein eigenes Photo begutachtet: »Ich habe durch die Beschäftigung mit Surrealismus, mit der Literatur den künstlerischen (fremden) Blick auf die Welt gelernt. In der Moderne zerfielen die Dinge, die Ideen, die Gesellschaft. Also haben die Künstler die Teile wieder zu einem Neuen zusammengesetzt, ganz anders als vorher. Und es ist ihnen aufgefallen, dass schon in den noch ›ganzen‹ Dingen der destruktive, gewaltsame Zerfall immanent ist und schnell wirksam werden kann. Das Unbekannte, Unbewußte, Unmögliche der Dinge übte eine Magie auf Kunst und Literatur aus. Mir war es zunehmend wichtiger zu zeigen, was in den Dingen steckt, das man nicht sieht, vor allem in den banalen, beiläufigen, belanglosen Dingen und Landschaftsfragmenten.«

Mein Kühlschrank sieht nach Michaels Bekanntschaft anders aus: Darauf kleben, aus Exemplar 9/10, magnetische Carrés mit Textzitaten (Elias Canetti, Franz Kafka, Tristan Tzara, Oskar Pastior …) und Bilder (Tische, Federn, Aschenbecher, gesehen durch seine Kamera) im Wechsel: Für Michael gibt es Bezüge, ich suche noch.

Entwicklung braucht Zeit, und die Photographie, wo sie Kunst ist? Barthes erweitert seine anfängliche Zweiteilung eines Feldes kulturellen Interesses und des dieses studium durchkreuzenden punctums um ein weiteres: »Dieses neue punctum, nicht mehr eines der Form, sondern der Dichte, ist die Zeit, ist die erschütternde Emphase des Noemas (›Es-ist-so-gewesen‹).« Die »Zeugenschaft der PHOTOGRAPHIE« beziehe sich »nicht auf das Objekt, sondern auf die Zeit«. Darin liegt ihre Melancholie, damit erklärt sich die ihr fehlende Tragik. Photographien müssen für Barthes »still« sein, »das ist keine Frage der ›Diskretion‹, sondern der Musik.« Starke Melodien wenden sich an die Betrachter der Werke von Michael Dohle, schaut doch auf.

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